Die Wildkammer

Presse 2011

60 japanische Kirschbäume auf dem Platz zwischen Sobernheims ehemaliger Synagoge und der Malteserkapelle?



Bad Sobernheim - Zur Mandelblüte in die Pfalz fahren? Nein, zur Kirschblüte nach Bad Sobernheim. Denkt sich Architekt Paul Scholten (62). Gerade hat der parteilose Experte, der seit 1980 in Sobernheim lebt, ein Diskussionspapier vorgelegt, das auf dem Platz zwischen ehemaliger Synagoge (heutiges Kulturhaus), Malteserkapelle und früherem Top-Markt ein Freizeitgelände mit japanischen Kirschbäumen vorsieht. Verlockend: Das Projekt könnte sofort und nahezu kostenfrei realisiert werden.

Paul Scholtens Plan: Herz des möglichen neuen Platzes zwischen Bad Sobernheimer Amtsgericht (oben rechts), Top-Markt (oben) und Gymnasialstraße sind rund 60 japanische Kirschbäume samt kleiner Sitzgruppe und Sand- oder Wasserfläche (rechts). Auffallend: Die etwa 30 Parkplätze am früheren Top-Markt würden wegfallen und durch eine sandgebundene Spiel-Fläche ersetzt. Was der mögliche Wildladen-Investor Klaus Nieding vor dem Top-Markt eher skeptisch sieht.

Etliche Großprojekte realisiert
Der Fachmann für Industriebauten und Stadtentwicklung hat in Sobernheim schon einiges realisiert: den Sparkassen-Neubau am Marktplatz, den städtischen Kindergarten, die Volksbank nebenan, Polymer, Uhren-Christoffel, Jores, Roberto-Design, Van Leer Monzingen und, als Geschenk an die Stadt, das planerische Konzept für das Kulturhaus in der ehemaligen Synagoge. Will sagen: Der Mann hat Ahnung, er weiß, wovon er spricht.

Und so verwundert es auch nicht, das sein Plan für den Platz an der Gymnasialstraße interessierte Diskussionen auslöst. Ein Platz, sagt er, ist eine Addition von Räumen, eine Melodie von Gegensätzen. Über eine oder mehrere sogenannte Sichtachsen ist er mit anderen Plätzen verbunden.
Existenziell für den Fachmann und einsichtig für den Laien: Ein Platz braucht, um als Platz wahrgenommen zu werden, klare Konturen, Wände. Die gibt Scholten seinem Karree an der Gymnasialstraße mit, und das ist sein Clou, japanischen Kirschbäumen. Anders als deutsche Kirschbäume blühen sie nicht etwa nur sechs Tage, sondern drei Wochen. 60 Stück in einer Höhe von fünf Metern und Kronen von etwa drei bis vier Metern Durchmesser könnten zwischen der Malteserkapelle und der ehemaligen Synagoge gepflanzt werden.

Auf eine „erträgliche Maßstäblichkeit“ hat Paul Scholten geachtet, sieht bei seinem Vorschlag die Proportion des Platzes im Vergleich zu den Häusergiebeln gewahrt – ungeschriebenes Gesetz in jeder vernünftigen Stadtplanung.

Bad Sobernheim wäre um eine Attraktion und um einen kommunikationsauslösenden Platz samt Freifläche mit wetterresistenten Fitnessgeräten für Senioren und Spielareal reicher. Autos könnten wie bisher auf der Gymnasialstraße vorbeigeführt werden. Nur das Parken ginge dort nicht mehr, zumindest nicht mehr direkt vorm ehemaligen Top-Markt.

Dass sich ein kundiger Mitbürger aus freien Stücken mit einer Platzgestaltung befasst und dabei auch handfeste Realisierungsvorschläge unterbreitet, entlockt Stadtbürgermeister Michael Greiner (SPD) ein dickes Lob. „Es kann ja nicht sein, dass wir hier nur die Straßen für viel Geld ausbessern, ohne diesen Platz insgesamt zu sehen.“

Schon in den Ausschüssen für Verkehr (11. Mai) und Bau (12. Mai) und im Stadtrat am 19. Mai könnte der Kirschblüten-Platz-Plan von Paul Scholten erstmals erörtert werden. Dann geht es jedoch mit Priorität um die grundsätzliche Frage, ob und wie das Land die Stadtentwicklung, niedergeschrieben im Konzept „Sobernheim 2020“ der Kaiserslauterer Planer Bachtler, Böhme und Partner, bewertet und finanziell begleitet.

Erste positive Signale aus Mainz seien durchaus schon angekommen, freut sich Sozialdemokrat Greiner. Er muss sich im Spagat zwischen Stadtgestaltung und Wirtschaftsförderung üben: Denn im früheren Top-Markt, der der Rewe-Gruppe gehört, möchte der Meddersheimer Klaus Nieding, im Ehrenamt Kreisjägervorsitzender, schon bald eine kommerzielle Wildhandlung einrichten.
Die konkreten Planungen dafür bestätigte Nieding gestern Nachmittag auf unsere Anfrage. Anfang 2012 würde er den Fachmarkt für Wildgerichte – Nieding: „Ein Vorzeigebetrieb für SooNahe“ – gerne eröffnen; auf 1300 Quadratmetern Gesamtfläche, was dem kompletten einstigen Top-Markt entspräche. Wobei die Planung eine Option auf zwei Bauabschnitte vorsehe; möglich, dass die vorgesehene „Show-Küche“ erst später komme.

Um einen solchen Fachmarkt jedoch rentabel betreiben zu können, sei er auf einen ganzjährigen Betrieb angewiesen, bekräftigt Nieding, brauche also eine gute Erreichbarkeit und, vor allem, dringend die Parkplätze am Markt. Auch, weil er an Events im Freien denke, etwa an Auftritte von Jagdhornbläsern oder Grill-Vorführungen vor den Markttoren.

Die Sorge des Wildstuben-Investors kann Stadtbürgermeister Michael Greiner gut verstehen, sieht aber zunächst noch keinen Konflikt. Denn beim Scholten-Papier handele es sich ja zunächst einmal lediglich um eine reizvolle Idee, die es zu diskutieren gelte, und nicht etwa bereits um einen kommunalpolitischen Beschluss. Darüber habe er sich mit Nieding auch gerade unterhalten, so Greiner gestern. Der Stadtbürgermeister sieht im Umfeld des Top-Marktes viele Parkplätze, beispielsweise dort, wo einst das Schützenhaus stand, also direkt neben dem Markt.

Greiner will sich weiter um einen Kompromiss bemühen, der einerseits die Stadtgestaltung und andererseits die berechtigten Interessen des Investors sehe. Da ist der Stadtbürgermeister durchaus guter Dinge, eröffnet Nieding gar weitere Perspektiven. So regten Greiner und Paul Scholten gestern Morgen beim Treffen an der Gymnasialstraße mit Blick auf die verwaiste „Hohe Burg“ an, dort könne doch ein künftiger Gastwirt die Wildgerichte aus dem benachbarten Fachmarkt Niedings anbieten. (mz)

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